Weißraum in von der Leyens Doktorarbeit

„Ein Printmedium lebt von seinem Weißraum“ (BIEDERMANN 2014). In diesem Sinne strotzt von der Leyens Doktorarbeit vor Lebendigkeit.

Wohl nichts hat Ursula von der Leyen gründlicher beherzigt, als den Rat, eine Bleiwüste zu vermeiden. Und das zu einer Zeit, als das Internet wirklich #Neuland war. Als Anleitungen wie der Blogbeitrag Gutes Design braucht Luft zum Atmen – Weißraum als Gestaltungselement nicht zur Verfügung standen. Auch das Eingangs zitierte Werk Ratgeber für Design-Aufträge von Thomas Biedermann stand noch nicht zur Verfügung.

Dieser Beitrag dient dazu, den Weißraum in der Arbeit von der Leyens zu erheben und mit demjenigen anderer wissenschaftlicher Arbeiten in Beziehung zu setzen. Wie bereits beim Beitrag Von der Leyens Doktorarbeit ist kein Leichtgewicht verfolge ich also einen meßtechnischen Ansatz. Wo ich zuvor gewogen habe, versuche ich nun den Makro-Weißraum durch Ausmessen von Breite und Höhe der bedruckten Fläche zu ermitteln. Die ermittelten Prozentzahlen stehen für eine Abschätzung des Anteils des Makro-Weißraums an der gesamten bedruckbaren Fläche. Diese Abschätzung ist Unwägbarkeiten unterworfen. Mir standen nur einfache Lineale und meine dicken Daumen zur Verfügung. Ich habe darauf verzichtet, nach ggf. anzuwendenden Normen und Werkzeugen zur Bestimmung des Weißraums zu suchen.

Auf einen alternativen Ansatz (Druckzeichen pro Seite) werde ich später noch einmal zurückkommen. Dieses Kriterium ist auf den Seiten von Christoph Vogt sehr anschaulich erklärt.

Auf folgendem Foto habe ich paar wissenschaftliche Arbeiten von oben, links oben nach rechts unten absteigend nach dem Anteil an Weißraum sortiert. Dabei habe ich jeweils den Makro-Weißraum bei der jeweils ersten (Doppel-) Seite des Inhaltsverzeichnisses betrachtet. Durch diesen Ansatz vergleiche ich grundsätzlich vergleichbare Inhalte und befasse mich nicht mit Ausreißern:

Mit 74% Weißraum liegt Ursula von der Leyens Arbeit ganz vorne, die Arbeit von Dominique Rebière mit 73% dicht dahinter. Bei beiden Werken ergibt sich ein besonders hoher Wert aus dem Umstand, dass ihre Seiten jeweils nur einseitig bedruckt sind. Bei letzterer mag der hohe Anteil an Weißraum typisch sein für den französischen Kulturkreis. Der dritten Arbeit, meiner eigenen Studienarbeit, merkt man mit 55% Weißraum jedenfalls den französischen Einfluß an.

Das Mittelfeld bilden die Arbeiten von Anja Hartmann (49% Weißraum, dieser Wert ist bezogen allein auf die rechte Seite) und Olaf Hooijen (43% Weißraum, ebenfalls bezogen auf die rechte Seite.) Das Schlusslicht bildet die Doktorarbeit von Michael Baranski mit nur 33% Weißraum.  Meine eigene Diplomarbeit ist mit nur 39% nur wenig großzügiger gestaltet.

Wenn man um der Eleganz und Augenfreundlichkeit willen möglichst viel Weißraum fordert, dann ist von der Leyens Arbeit in dieser Hinsicht die Beste der betrachteten Arbeiten.

Aus vielerlei Gründen, die ich hier nicht im Detail erörtern möchte, betrachte ich jedoch Anja Hartmanns Arbeit nicht nur inhaltlich, sondern auch in Bezug auf das Layout als die wertvollste und beste der betrachteten Arbeiten.

Die Arbeit von der Leyens fällt bei Betrachtung allein dieses einen Kriteriums also nicht besonders positiv auf. Da sie in diesem Kriterium mit der Arbeit Rebières übereinstimmt, an deren Qualität für mich kein Zweifel besteht, kann der hohe Anteil an Weißraum aber für sich genommen auch nicht als Auffälligkeit im negativen Sinne gewertet werden.

Quellen

Die Quellenangaben zu den zum Vergleich herangezogenen Arbeiten entnehmen Sie bitte dem Beitrag Von der Leyens Doktorarbeit ist kein Leichtgewicht.

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