Einsturz des WTC mit professioneller Voreingenommenheit betrachtet

Wieso hätte Mohammed Atta annehmen sollen, das WTC ohne kontrollierte Sprengungen zerstören zu können?

Auch wenn die Folgerungen des NIST-Report stimmen, und Feuer durch einen Flugzeugeinschlag theoretisch zum Einsturz eines Turms führen konnte – zum Zeitpunkt des Attentats gab es den Bericht noch nicht. Unter Fachleuten galt damals der Versuch als hoffnungslos, die Türme durch Flugzeuge zerstören zu wollen.

Dieser Beitrag ist populärwissenschftlich. (Nachtrag 04.08.2017: folgender Beitrag zeigt, wie mit professioneller Voreingenommenheit den möglichen Einsturzursachen des World Trade Centers Wahrscheinlichkeiten zugeordnet werden können. Ingenieursmässig beschreibe ich dort meine professionelle Voreingenommenheit mit der Sprache der Mathematik und wende das Bayes-Theorem an, um den möglichen Einsturzursachen des World Trade Centers Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen. (English Version of this Post)

Zur Sache

Als am 11. September 2001 die Türme des WTC einstürzten war für Experten anscheinend sofort klar, dass es nur zwei mögliche Erklärungen gab:

  1. Die Türme waren wegen der Flugzeugeinschläge eingestürzt.
  2. Die Türme waren kontrolliert gesprengt worden.

Für die erste Hypothese sprach, dass die Flugzeuge in die Türme eingeschlagen waren. Für die zweite Hypothese sprach, dass die Türme einstürzten. Denn am 11.09.2001 stand zweifelsfrei fest, dass die Türme extra so gebaut waren, dass sie nicht durch etwas anderes als kontrollierte Sprengungen zerstört werden konnten. Das erklärte der Experte John Skilling 1993 im Interview mit der Seattle Times. Und Eric Nalder – Gewinner von Pulitzer Preisen – die gelten als die Oskars für Journalisten – wird sorgfältig abgewogen haben, bevor er diesen Titel wählte: Twin Towers Engineered To Withstand Jet Collision. In der Rückschau kommt dieses Interview einer Anleitung zur Zerstörung des WTC gleich.

Bei sauberer Kriminalarbeit wären jetzt 2 Hypothesen gleichwertig zu verfolgen gewesen.

  1. irrte John Skilling? Wenn ja, wie wahrscheinlich wäre es, dass ein Flugzeugeinschlag zur vollständigen Zerstörung führte?
  2. Gab es kontrollierte Sprengungen? Wenn ja, wozu dann die Flugzeuge?

Zum ersten Punkt hat sich das NIST ernsthaft bemüht, eine theoretische Möglichkeit zu finden, wie das Feuer auf Grund eines Flugzeugeinschlags zur Zerstörung eines Turms hätte führen können. Es hat die Frage nach der Wahrscheinlichkeit aber nicht beantwortet.

Über den zweiten Punkt wurde offenbar nicht ernsthaft nachgedacht. Sonst wäre sicherlich einem hellen Köpfchen aufgefallen: Hey, Mohammed Atta kannte dieses Interview mit John Skilling ja bestimmt auch! Der musste davon ausgehen, dass er das Hochhaus nicht mit einem Flugzeug zerstören kann. Und trotzdem fliegt er mit einem Flugzeug in das Hochhaus – und dann stürzt das ein, obwohl das als unmöglich gilt???

Dieser Gedankengang hätte das große Rätsel durch ein noch größeres Rätsel ersetzt. Aber er hätte deutlich gemacht, dass die zweite Hypothese wirklich viel Gehirnschmalz verdient.

Dem Anschein nach hatten die Aufklärer die ganze Zeit einen blinden Fleck, eine versteckte Prämisse (= vorgefasste Annahme), Und zwar die verschärfte #Neuland-Prämisse:

Das Internet war in Deutschland 2013 Neuland und 2001 überhaupt noch nicht da. Deshalb konnte Mohammed Atta überhaupt nicht auf das Interview zugreifen, und sich den Forschungsstand auch auf anderem Wege nicht aneignen.

Oder die Diktator-in-der-Höhle Prämisse:

Osama hatte in seiner Höhle kein Internet, hat aber wie ein Diktator durchregiert. Bei der Hamburger Terrorzelle handelte es sich um weisungsgebundende passive Deppen. Und Osama ist in der Leihbücherei von Kabul nicht über das zur Zerstörung des WTC verfügbare Fachwissen gestolpert.

Was wir wissen

  • In die Türme WTC 1 und WTC 2 krachte jeweils ein Flugzeug,
  • WTC 1, WTC 2 und WTC 7 stürzten jeweils vollständig ein.
  • Ermittelte Passagierlisten der Flugzeuge, ermittelte Sebstmordattentäter sowie deren ermittelte Biographien.
  • Überschuß an Attentätern und entführten Flugzeugen. Mit 19 Selbstmordattentätern und 4 entführten Flugzeugen standen scheinbar doppelt so viele Ressourcen zur Verfügung, wie zur Zerstörung des WTC benötigt wurden. Durch die zeitliche Nähe von vier flugzeugbasierten Angriffen wurde ein offensichtliches Zeichen gesetzt, dass kein Mangel an Attentätern und entführbaren Flugzeugen herrschte.

naheliegende Prämissen

Die folgend aufgezählten Annahmen scheinen mir plausibel. Ich kann aber keine objektiven Gründe angeben, warum sie stimmen müssen. Deshalb bezeichne sie als Prämissen und zähle sie hier auf. Um meine Schlussfolgerungen zu überprüffen macht also ein zweischrittiges Vorgehen Sinn: Erstens Überprüfung, ob meine Prämissen plausibel sind (= kein Unfug, nicht vollkommen unwahrscheinlich.) Zweitens Überprüfung, ob die Schlussfolgerungen zu den Prämissen passen.

  • Es gab eine einzige Gruppe von Verbechern, die sich miteinander verschworen hatte, um gemeinsam ein ungeheuerliches Verbrechen zu begehen. Immer wenn ich hier „die Attentäter“ schreibe, beziehe ich mich auf diese Gruppe.
  • Das Motiv der Verbrecher war Terrorismus, es handelte sich um Terroristen.
  • Es gab keine Verschwörung innerhalb der Verschwörung. Es gab also keine eingeschmuggelten V-Leute oder staatlichen Provokateure, die die Verbrechen erst ermöglichten. Sie folgten also nicht dem Muster des Celler Lochs.
  • Die Verbrechen wurden nicht durch staatliche Stellen gebilligt und dadurch erst ermöglicht. Sie folgen also nicht dem Muster des Bombenanschlag in Weiterstadt. Man kann mir sicherlich nicht vorwerfen, dass ich einen blinden Fleck gegenüber Staatsterror habe. Ich habe bereits über vorsätzlich zugelassenen Terror geschrieben und kann einen solchen hier nicht ausschliessen. Aber mir erscheint es möglich, die Verbrechen ohne die Annahme staatlicher Einflussnahme schlüssig zu erklären.
  • kein unbekanntes zufälliges Ereignis hat zum Geschehen beigetragen. Es gab nicht den Einschlag einer bisher unbekannten Sorte von Himmelskörpern, die keine Spuren hinterlassen oder dergleichen.
  • Es gab kein Eingreifen höherer Mächte.
  • Die Attentäter wollten die Türme des WTC zerstören. Sie wollten nicht nur einen spektakulären Einschlag mit vielen Toten und Verletzten, sondern die Vernichtung der Türme. Denn bloße Flugzeugeinschläge hatte es zuvor schon gegeben ohne besonders tiefgreifenden Eindruck zu hinterlassen. Die Attentäter wollten einen viel größeren Eindruck im kollektiven Gedächtnis der USA hinterlassen als beispielsweise 1945 der Einschlag eines Bombers ins Empire State Building.
  • Aus Sicht der Attentäter war ein Attentat, dass unmittelbar zum Einsturz eines Turms führte attraktiver als ein Attentat, dass zum wirtschaftlichen Totalverlust und Abriß eines Turms geführt hätte.
  • Die Attentäter waren nicht wissenschaftsfeindlich eingestellt. Sie studierten, um Wissen zu erlangen und um wissenschaftliche Techniken wie beispielsweise Recherchetechniken zu erlernen.
  • Die Attentäter waren nicht medienfeindlich eingestellt. Ein Zeitungsbericht löste bei ihnen nicht refexartig Mißtrauen und Ablehnung aus.
  • Die Attentäter verfügten über Selbstkontrolle und waren fähig, ihr Handeln an von ihnen wahrgenommene Realitäten, beispielsweise an die Inhalte von Zeitungsberichten anzupassen.

Was wir als nahezu sicher annehmen können

Während ich zu den oben genannten Prämissen keine Wahrscheinlichkeiten angegeben habe sondern diese einfach „gesetzt“ habe, beinhaltet die folgende Auflistung Annahmen, denen jeweils hohe Wahrscheinlichkeiten zugeordnet werden können. Weil diese Annahmen aufeinander aufbauen könnte ich hier beeindruckende Mathematik veranstalten, um die vierte aus den vorhergehenden zu berechnen. Diesen Aufwand spare ich mir. Ich schätze lediglich die Wahrscheinlichkeit ab, dass die vierte Annahme zutrifft.

  • Die Attentäter haben versucht, sich zum Thema Zerstörung des WTC sachkundig zu machen.
  • Die Attentäter haben das Interview mit dem Experten John Skilling in der Seattle Times von 1993 gelesen: Twin Towers Engineered To Withstand Jet Collision, oder aus einer anderen Quelle von dem dort wiedergegebenen Kenntnisstand erfahren.
  • Die Attentäter haben dieses Interview als eine Anleitung zur Zerstörung des WTC aufgefasst, und ihm entnommen, dass als einzige Möglichkeit mit einer reellen Erfolgschance eine kontrollierte Sprengung in Frage kommt
  • Die Attentäter haben beschlossen, die kontrollierte Sprengung anzustreben. Da mir kein schlüssiges Gegenargument gegen ein Bemühen in dieser Richtung einfällt ordne ich diesem Beschluß eine plausible Wahrscheinlichkeit von 95% zu. Das hat natürlich überhaupt nichts zu tun mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Bemühen zu einem Erfolg führen würde.

Anmerkung:

In einem späteren Beitrag werde ich Berechnungen anstellen mit einer als plausibel angenommenen Wahrscheinlichkeit von 95% für einen solchen Beschluß.

Ich werde dies Berechnungen wiederholen mit der (mir unplausibel erscheinenden) #Neuland-Hypothese, also mit der Hypothese, dass 2013 das Internet #Neuland war, und 2001 noch viel unbekannter. Unter #Neuland Hypothese rechne ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% für einen Beschluß der Verbrecher, sich um eine kontrollierte Sprengung zu bemühen.

Ich werde nachweisen, dass erst mit der verschärften #Neuland-Prämisse (siehe oben), also wenn man es für ausgeschlossen erklärt, dass die Attentäter sich um eine kontrollierte Sprengung bemüht haben, das Erklärungsmodell kontrollierte Sprengung ausscheidet.

Was noch unklar ist

Wie groß war die Erfolgschance der Attentäter, die Türme mit Flugzeugen zum Einsturz bringen?

Wie groß war die Erfolgschance der Attentäter, die Türme mit einer kontrollierter Sprengung zum Einsturz bringen?

Warum trotzdem die Flugzeuge, wenn diese aus Sicht der Attentäter entbehrlich waren?

Nutzenüberlegung

Ein Anschlag, scheinbar mit Flugzeugen erfolgreich durchgeführt, sendet die Botschaft: Wir können Euch überall mit einfachen Mitteln treffen. Ihr könnt Euch nicht wehren.

Ein Anschlag offensichtlich mit Thermit und Sprengstoff durchgeführt hätte diese Botschaft gesendet: Wir können Eure größten, symbolträchtigsten Hochhäuser zerstören. Wir sind zu entsprechend aufwändigen Operationen fähig.

Aus meiner Sicht ist die erste Botschaft die bedrohlichere.

Prozedurale Überlegungen

Als Ingenieur vermute ich, dass dieser Haufen krimineller Ingenieursstudenten das technische Problem auf typische Ingenieursart gelöst hat. Suche, Ausarbeitung und Überprüfung von Varianten so lange, bis man eine funktionierende Variante erfolgreich validiert hat.

Dabei arbeitet man sich von den naheliegenden Varianten zu den schwierigen Varianten vor, die man ggf. erst nach einer längeren Suche findet und in Betracht zieht.

Kontrollierte Sprengungen waren nicht naheliegend. Zuvor war mit diesem Mittel nach meiner Kenntnis noch nie ein terroristischer Gewaltakt verübt worden. Auch wenn die Attentäter aus dem Studium vermutlich über Fachwissen zum Thema kontrollierte Sprengungen verfügten, konnten sie nicht annehmen, sich diese Technik einfach nutzbar machen zu können. Sofern Anmietung von Büroräumen zur Tarnung notwendig war, müssen die Kosten hierfür horrend gewesen sein. Vermutlich so horrend, dass kontrollierte Sprengungen ohne externe Förderung, ggf. Petrodollars, unmöglich gewesen wäre.

Die Flugzeugentführungen waren die naheliegende Variante. Fluzeugentführungen waren 2001 ein etabliertes Mittel für terroristische Gewaltakte. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass den Attentäter Fluzeugentführungen als Option unbekannt waren. Fluzeugentführungen erforderten vergleisweise wenig Geld, aber viele Täter.

Möglicherweise hatten die Verschwörer Pläne für Flugzeugentführungen schon weit ausgearbeitet, als sie bei deren Überprüfung auf das Interview von John Skilling stiessen, und so annehmen mussten, dass sie gerade in einer Sackgasse steckten. Vielleicht hatten sie ursprünglich geplant in WTC1 und WTC2 jeweils 2 Flugzeuge zu lenken, um die Sicherheitsreserven der Türme zu überlasten und bereits die entsprechende Logistik vorbereitet (= genügend Freiwillige gesammelt)

Doch spätestens im Bereich der Umsetzung (als sie bereits mit dem Flugtraining begonnen hatten) werden sie festgestellt haben, dass sie nicht in der Lage sein würden, jeweils 2 Flugzeuge zur selben Zeit aus der selben Richtung und / oder auf der gleichen Höhe in den selben Turm einschlagen zu lassen. Oder vier Flugzeuge in einen einzigen. Doch ohne Vervielfachung des Impulses (= Gleichzeitigkeit) oder lokale Vervielfachung der Brandlast (= gleiche Höhe) würde ein Architekt die Strategie „mehrere Flugzeuge pro Turm“ wohl als untauglich verworfen haben.

Es ist möglich, dass die Attentäter daraufhin einen Weg zur kontrollierten Sprengung gesucht und gefunden haben. In diesem Fall wäre es ein bei Ingenieuren erwartbares Vorgehen, die ausgearbeitete nicht funktionsfähige Variante (Flugzeuge) zu streichen und nur das technisch notwendige vorzusehen (Sprengung).

Es ist aber nicht auszuschließen, daß die überflüssigen Aspekte (Flugzeuge) den Beteiligten so gut gefielen, dass sie im Projekt verblieben – sofern sie mit den verfügbaren Ressoucen umgesetzt werden konnten.

Wenn man unterstellt, dass die Attentäter unter einem Mangel an Attentätern und entführbaren Flugzeugen litten, oder sich durch eine Abneigung gegen Flugzeugentführungen auszeichneten, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass sie neben kontrollierten Sprengungen zusätzliche Flugzeugeinschläge erwogen.

Da die bekannten Fakten (Überschuß, s.o.) aber auf die entgegengesetzte Situation hindeuten, ist es bei genauerer Betrachtung durchaus plausibel, sogar wahrscheinlich, dass die Attentäter diese zusätzlichen, scheinbar überflüssigen Flugzeugeinschläge vorsahen.

⇒ Bei einem Überschuß an Attentätern und entführbaren Flugzeugen entkräftet die Beobachtung, dass Selbstmordattentäter Flugzeuge ins WTC gesteuert hatten nicht die Annahme, dass die Attentäter eine kontrollierte Sprengung versucht hatten.

Mit anderen Worten:

Die beobachteten Flugzeugentführungen sind kein Beleg dafür, dass es sich bei den Attentätern um Dilettanten hielt, die nicht wussten was sie taten, und nur aus schierem Dusel mehrere höchst unwahrscheinliche Glückstreffer in Folge landeten, und deshalb trotz ihrer Unfähigkeit doch zum Erfolg kamen.

Um den Hauptbeweis auszuwerten, nämlich die Tatsache, dass die Türme vollständig einstürzten, muß man also folgendes beantworten:

  • Wie groß war die Erfolgschance der Attentäter, die Türme mit Flugzeugen zum Einsturz bringen? (Wobei zu berücksichtigen ist, dass der Flugzeugeinschlag in zwei Türme geklappt hatte)
  • Wie groß war die Erfolgschance der Attentäter, die Türme mit einer kontrollierten Sprengung zum Einsturz bringen? (Wobei zu berücksichtigen ist, dass vollkommen offen ist, ob überhaupt irgendwelche Vorbereitungen geklappt hatten)

Bevor man sich im Klein-Klein der Spuren und Videos verloren hat, hätte man besser an diese beiden Fragen denken sollen. Danach kann man sich dann immer noch anschauen, welche der beiden Hypothesen besser zu den Spuren paßt.

offizielle Auswertungs-„Methodik“

Die Erfolgschance mit den Flugzeugen und dem Feuer ist verschwindend gering, aber hey, wir haben gezeigt es ist möglich. Dann muss es wohl das Feuer gewesen sein!

Was sich nur aus dem Nichtgesagten ergibt:

Die Wahrscheinlichkeit für Sprengstoff ist exakt 0. Wegen der verschärften #Neuland-Hypothese. Die Attentäter hatten kein Internet, wussten nichts vom Interview, sind nicht auf die Idee mit dem Sprengstoff gekommen.

Schlußfolgerung

Das hier gesagte ist kein Beleg dafür, dass das Ergebnis der offiziellen Untersuchung (=es war das Feuer durch die Flugzeuge) falsch ist. Es ist lediglich ein Indiz dafür, dass die Untersuchenden nicht sorgfältig gearbeitet haben. Es scheint keinen Versuch gegeben zu haben, den Kenntnisstand der Attentäter zu rekonstruieren und daraus plausible Hypothesen zu ihrem Vorgehen zu bilden. Es ist immerhin bekannt, dass sehr schnell ein psychologisches Profil erstellt wurde – dem Anschein nach von George W. Bush persönlich mit Hilfe der intuitiven Methode. Es lautete in aller Schlichtheit cowards (= Feiglinge). Der offiziielle Bericht vermeidet hingegen jeden Eindruck, dass sich irgendein Ermittler noch einmal mit der Psychologie der Verdächtigen befasst hätte. Nur einmal taucht das Wort „psychological“ auf – auf Seite 740, um auszudrücken, dass Osama Bin Laden einen psychologischen Sieg anstrebe. Keine weitere Fundstelle für irgendein Wort mit der Zeichenfolge „psy“. Für wie verdächtig muss man die Wissenschaft der Psychologie halten, wenn man seinem Feind ein Interesse daran zuschreibt und sie ansonsten auf 858 Seiten komplett ignoriert?

Trotz der vielen Seiten des NIST-Report werden an keiner Stelle sinnvoll Wahrscheinlichkeiten diskutiert.

27 Mal steht dort das Wort „probable“ – also „wahrscheinlich“ im umgangssprachlichen, laberigen Sinne! Kein einziges Mal das Wort „probability“. Der Bericht enthält nicht eine einzige Aussage zu Wahrscheinlichkeiten in der Sprache der Wissenschaft, also keine quantitative Aussage!

Das Wort „Bayes“ fehlt auch! Wissen die Autoren überhaupt nicht, dass man mit Wahrscheinlichkeiten rechnen kann?

Gegenprobe: hat sich die Psychologie etwa in den NIST-Report verirrt? Nein, kein Treffer. Oder umgkehrt die Mathematik in den offiziellen Report? Und tatsächlich, der offizielle Report weist einige Spuren von Mathematik auf. Es scheint den Autoren bekannt zu sein, dass man Wahrscheinlichkeiten durch Maßzahlen beschreiben kann, und dass man hohe von niedrigen Wahrscheinlichkeiten unterscheiden kann (low / high.) Wer sich über die Definitionen probable cause im Gegensatz zu proof beyond a reasonable doubt weiterbilden möchte, findet hier interessanten Lesestoff. Doch das Wort „Bayes“ finde ich auch hier nicht, und auch keinen anderen Hinweis darauf, dass die Autoren das Konzept kennen, mit Wahrscheinlichkeiten zu rechnen.

Die offiziellen Bemühungen scheinen auf tragische Weise unzureichend. Tatsächlich übergingen die Untersuchenden ja eine Spur, deren Auswertung und Veröffentlichung den eigenen Interessen gedient hätte. Wenn tatsächlich kontrollierte Sprengungen notwendig waren, um die Türme zum Einsturz zu bringen, dann gibt es keinen plausiblen Zweifel daran, dass die Unterstützung durch eine Terrororganisation wie beispielsweise Al-Qaida notwendig war.

Die Feuer durch Flugzeug Hypothese erklärt dagegen überhaupt nicht, warum die Selbstmorattentäter die Hilfe Al-Qaidas hätten benötigen sollen. Mit dieser Erkenntnis haben sich meine persönlichen Zweifel an der offiziellen Zuordnung zur Al-Qaida erledigt. Diese Zweifel hatte ich bei einem Gedankenaustausch mit Phi, dem inoffiziellen Verschwörungsexperten der Wikipedia geäussert:

Ich halte folgende Frage für unzureichend beantwortet: war die (finanzielle) Unterstützung durch Al-Quaida notwendige Vorraussetzung für die Verbrechen des 11. September 2001? Als Hamburger und Absolvent der TUHH konnte ich folgendes Beobachten: Hamburg ist eine ausgesprochen reiche Stadt in einem ausgesprochen reichen Land. Auch wenn ich keinen Beleg für die Vermögensverteilung der Hamburger Studenten um die Jahrtausendwende angeben kann, führen diese Fakten mich persönlich zu Zweifeln an der Annahme, dass Geld von der Al-Quaida notwendig war, um die dem Anschein nach wenig kostenintensiven Anschläge zu ermöglichen. Ich vermute, dass es über Tausend Studenten mit ausreichend Vermögen gab, die jeder für sich die Verbrechen hätten finanzieren können – wären sie von der Zelle um Atta entsprechend radikalisiert worden.

Wertung

Falls sich erweisen sollte, dass der NIST-Bericht Fakten verzerrt hat um eine Möglichkeit zu belegen, die tatsächlich nicht existierte wäre das sehr schlimm, vor allem aber eine riesige Blamage für die USA.

Noch schlimmer scheint mir aber der Mangel an Sachverstand in US-amerikanischen Behörden und in der Politik, der sich hier andeutet.

Leute, die zu wenig Ahnung von Mathematik und Wissenschaft haben, die bedienen Computer ohne wirklich zu begreifen, was sie tun. Und aus dem Computer fällt dann auch mal ein Todesurteil raus. Und andere Leute mit zu wenig Ahnung bedienen andere Computer, um per Drohne jemanden zu exekutieren der „probable“ eine unmittelbare Gefahr für die USA darstellt.

Eine Verschwörung der Untersuchenden scheint mir aber völlig unplausibel. Ich finde auch kein mögliches Motiv, warum das NIST den freigegebenen Bericht vorsätzlich schwächer hätte erscheinen lassen sollen als die interne Fassung. Ein Geheimdienst hätte Gründe, seine Fähigkeiten zur Datensammlung herunterzuspielen. Aber welche Motive hätte das NIST, die eigenen Fähigkeiten zu wissenschaftlicher Arbeit herunterzuspielen?

Konsequenzen

Angestellte und Beamte, die wegen grober Fahrlässigkeit Schaden anrichten, sollten aus dem Privatvermögen haften. Nicht nur LKW-Fahrer, die beim Ölstand schlampen, sondern auch Gutverdiener. Auch Forscher am NIST. Auch Berufspolitiker. Auch Nazi-Richter.

Wir leben in einer Welt, in der Richter beschlossen haben, dass Richter nicht haften. In der Berufspolitiker beschlossen haben, dass Berufspolitiker nicht haften. Wenn ein VW-Vorstand 100.000 LKW verbockt zahlt er sicherlich weniger als ein LKW-Fahrer, der einen einzigen Motor verbockt.

Das sollten wir ändern!

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