Rizin

Hohe mediale Wellen schlug dieses Wochenende der Fall eines Terrorverdächtigen, der anscheinend Anschläge mit dem hochwirksamen Gift Rizin verüben wollte.

In der Berichterstattung (beispielsweise auf tagesschau.de, auf welt.de, auf n-tv.de) ging jedoch unter: die staatlichen Patentdatenbanken liefern die zuverlässigsten Anleitungen für die Herstellung von Rizin. Das US-Patent US3060165 stammt beispielsweise von der US-Army. Das ist doch eine seriöse Herkunft. Und man muss kein Wissenschaftler sein, um die Anleitung zu lesen: „In preparing the protein material the castor beans are first ground and pressed to remove most of the oil. […] If residual solvent is removed from the groundbeans by blowing with steam, considerable detoxification results. Blowing with nitrogen efectively prevents detoxification but is expensive when carried out on a large scale.“ (mahlen, pressen. Das im Rückstand verbliebene Öl nicht mit Dampf entfernen sondern mit Stickstoff. Und so weiter)

Diese Anleitung steht der interessierten Bevölkerung, also jedem uneingeschränkt zur Verfügung. Ohne Login oder gar Identitätskontrolle. Dieses Beispiel zeigt: Es ist etwas faul im Patentwesen. Deshalb fordere ich: Stop Waffenpatente!

Und nicht vergessen: die Patentdatenpanken sind nicht nur inhaltlich zuverlässig, sondern auch über die Zeit. Die Links sind stabil. Patente verschwinden nicht einfach.

Im November 2001 schrieb dagegen Florian Rötzer für den Heise-Verlag auf Telopolis: Herstellungsanleitung für Rizin gefunden.“ Er bezog sich offensichtlich nicht auf eine zuverlässige Anleitung in Form eines Patentdokuments. Die 2001 veröffentlichten Links sind längst nicht mehr gültig.

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