VW Aufsichtsrat Pötsch ist ehrlich und Schwarz ist Blau

Pötsch könnte ehrlich sein aber zu unfähig, um den Unterschied zwischen Schwarz und Blau zu erkennen. Doch das glaube ich nicht.

(english text, version française)
Ich vertraue Pötsch nicht mehr. Mein Wohlwollen gegenüber Volkswagen ist zutiefst erschüttert, und seinem Aufsichtsratsschef Hans Dieter Pötsch traue ich mittlerweile jede Tücke, jeden Betrug zu.

Auf der Hauptversammlung füllte ich selbstverständlich meine Stimmkarten mit dem an die Kleinaktionäre ausgegebenen blauen Stift aus und vertraute darauf, dass meine Stimmen ordnungsgemäß gezählt würden.

Die auf den Stimmkarten aufgedruckte Anleitung besagte zwar sinngemäß: „nur mit schwarzem Stift ausgefüllte Stimmkarten werden gezählt“ – aber das erschien mir zunächst nur wie eine weitere Panne. Wenn VW blaue Stifte an die Kleinaktionäre ausgeben liess, dann würde das wohl seine Richtigkeit haben. Ich kam nicht einmal auf die Idee, dass die Großaktionäre ja mit anderen Stiften ausgestattet sein könnten. Und dass Volkswagen vor den Augen der Weltöffentlichkeit betrügen könnte schien mir zu unmöglich, um überhaupt ernsthaft darüber nachzudenken.

Auch als ich endlich gegen 18:30 Gelegenheit habe vor dem Podium zu sprechen, und mit nur 5 Sekunden Vorlauf meine Redezeit beginnt, glaube ich noch an Unfähigkeit von Seiten Pötschs und nicht an bösen Willen. Nach 8,5 Stunden Wartezeit, in denen mir jegliche Auskunft zum Zeitpunkt meines Aufrufs verweigert wurde, wird mir nicht einmal die Zeit gegeben, mein von 7 auf 3 Minuten zusammengestrichenes Redekonzept aus der Tasche zu suchen. Mir ist faktisch mein Recht genommen, mein drei Wochen im voraus ordnungsgemäss schriftlich angemeldetes Anliegen angemessen zum Ausdruck zu bringen. Ich fühle mich, als hätte Pötsch mir tückisch Knüppel zwischen die Beine geworfen. Doch mein Verstand will das nicht glauben, denn ich erkenne das Motiv zunächst nicht.

Cui Bono – wem sollte es nützen, wenn die Redner sabotiert würden? Erst am übernächsten Tag erkenne ich ein mögliches Motiv. Pötsch missachtete wohl die Rechte der Kleinaktionäre, um ihnen das Interesse an der Aussprache in Halle 3 zu nehmen.

„Menschen bewegen“ – und zwar von Halle 3, wo sie nur stören, zur Halle 2, wo sie als Konsumenten benötigt werden.

Pötsch gestaltete dazu den Diskussionsverlauf in Halle 3 noch langweiliger, noch erwartbarer als die Häppchen in Halle 2.

Erst am übernächsten Tag merke ich, dass ich nicht nur Zeuge eines absurden Theaters geworden bin, sondern auch Opfer eines Betrugs geworden sein könnte.

Doch da habe ich die Stimmkarten bereits längst mit einem blauen Stift ausgefüllt. Ob sie gezählt wurden weiss ich nicht. Pötsch wird es wissen. Es sei denn, eine Handvoll Mitarbeiter hätte sich in Eigeninitiative einen Betrug ausgedacht, von dem die VW-Führung nichts wusste.

Zusammenfassung:

  • Volkswagen leidet unter zu viel Eigeninitiative seiner Mitarbeiter.
  • Pötsch ist kein Betrüger.
  • Schwarz ist Blau.

Stimmkarte
Die fotografierte Stimmkarte S1 ist laut Anleitung im Stimmblock der Abstimmung zum Tagesordnungspunkt 2 zugeordnet, auf den sich mein Gegenantrag bezieht –  entgegen der unten sichtbaren Anweisung mit blauem Stift ausgefüllt.

Laut Anweisung der Mitarbeiterin, die meinen Stimmenblock entgegennimmt, ist für TOP2 eine andere Stimmkarte zu verwenden. Schriftliche Korrekturen der fehlerhaften schriftlichen Anweisungen bekomme ich nicht. Am Eingang wurde jedem Kleinaktionär zwar eine große Tüte mit sehr viel bedrucktem Papier in die Hand gedrückt, aber keine Korrektur der angeblich fehlerhaften Anweisung. Ein sehr langer Tag liegt hinter mir. Der Stimmenblock wäre selbst mit korrekter Anleitung eine ausreichende Herausforderung.

Ich lasse mich von der freundlichen Mitarbeiterin beraten. Ich vertraue. Ich frage nach der Stiftfarbe. Nein, das sei alles in Ordnung. Anderen Aktionären sei das auch schon aufgefallen, aber das habe seine Richtigkeit. Klingt, als wäre der Widerspruch vorab niemandem von VW aufgefallen. Klingt glaubwürdig, passt ins Bild. Ich will nur noch nach Hause. Weg von diesem Elend bei Volkswagen.

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