Mindestabstände bei Kraftwerken

Wo das AKW Gundremmingen steht, dürfte kein Windrad hin schrieb die Augsburger Allgemeine im November. Kaum ein AKW hält die Abstandsregeln ein, die für Windräder zukünftig gelten sollen.

Dieser Beitrag bezieht sich auf die von der Bundesregierung geplanten Mindestabstände für Windräder von 1000m zur Wohnbebauung. Diese Mindestabstände wären fatal, weil sie faktisch zu einem Baustopp für Windkraftanlagen führen würde. Sie sind absurd, weil für die weit gefährlicheren AKW nie derartige Mindestabstände galten.

Windkraft-Gau im Abstand von 1380 Metern

Seit Jahren lebe ich in der Nachbarschaft von Windrädern. Im Januar 2017 ereignete sich im Abstand von 1380 Metern zu meiner damaligen Wohnung ein Windkraft-Gau. Ein Windrad stürzte um.

Der Unfall sorgte selbst im entfernten Göttingen und Aachen für Aufmerksamkeit und Berichterstattung. Doch auch nach diesem Unfall wäre ich nicht auf die absurde Idee gekommen, die Nachbarschaft von Windrädern könnte schlimmer, gefährlicher oder störender sein als die von AKW. Und das hat sicherlich nicht daran gelegen, dass ich damals keine direkte Sicht auf die Windräder hatte – die Sicht war mir seinerzeit durch Gebäude verstellt.

Zuvor hatte ich tatsächlich einmal dicht am Kernkraftwerk Stade gelebt. Damals war ich natürlich in Sorge vor einem Unfall. Ein AKW in 5 KM Abstand ist eben weit gefährlicher als eine WKA in 1 KM Abstand. Selbst in Deutschland, wo die AKW nicht ganz so krass unterversichert sind wie bei unseren Nachbarn. (Der Spiegel berichtete bereits 2011: Forscher errechnen horrende Haftpflicht-Kosten für AKW. 2013 gab es eine Initiative von Günther Oettinger, der eine einheitliche Haftpflicht in der EU einführen wollte.)

Mittlerweile lebe ich in Sichtweite von mehreren 185 Meter hohen 3-Megawatt Windkraftanlagen vom Typ Enercon E-101 (Daten siehe Pressebericht.) Mit 2,3 Km Abstand sind diese nur halb so weit entfernt wie seinerzeit das AKW Stade. Und sie sind am Horizont deutlich erkennbar, wie diese Aufnahmen zeigen:

Diese Windräder mögen keine Augenweide sein, aber ich bin froh, dass dort kein AKW steht. Und ich hätte die Windräder lieber in 500m Abstand als ein AKW in 5 KM Umkreis. Der Blick auf das Nachbarhaus sollte die Dinge in die rechte Perspektive rücken. Der Anblick von Wohngebäuden ist auch geschmackssache. Wer das Privileg geniesst, ungehindert in die Ferne zu blicken, und sich an Windrädern am Horizont stört, hat wohl die eigene Vorzugsstellung aus den Augen verloren.

Keine Mindestabstände für AKW

Google Earth zeigt die lächerlich geringen Abstände der norddeutschen AKW Brokdorf, Krümmel und Stade zur Wohnbebauung.

AKW Brokdorf

Die Reaktorkuppel ist Luftlinie rund 500 Meter entfernt vom Beginn der Ortschaft Brokdorf.

AKW Krümmel

Der Ort Krümmel ist keine 300 Meter vom gleichnamige Kraftwerk entfernt. (seit 2011 stillgelegt, aber das tut in Bezug auf die Abstände nichts zur Sache.)

AKW Stade

Die Stadt Stade ist fast 5 KM vom AKW entfernt, aber der Ort Bassenfleth nur gut 600 Meter. Das AKW wurde bereits 2003 stillgelegt und wird derzeit zurückgebaut. Google Earth zeigt also nicht unbedingt den aktuellen Zustand.

Ausnahme: AKW Biblis

Die Twitternutzerin ‪@EMauGe ‬machte darauf aufmerksam, dass beim AKW Bilblis tatsächlich ein Abstand von 1000 Meter zur Ortsbebauung von Ibersheim eingehalten wurde. Wenn das AKW Biblis zurückgebnaut wird, dürfte man dort also nach dem Willen von Altmaier dort ein Windrad hinstellen.

Hintergrund

Anfang November wurde bekannt, dass Bundeswirtschaftsminister Altmaier einen Entwurf für ein so genanntes Kohleausstiegsgesetz vorgelegt hat, das Mindestabstände von 1000 Metern zwischen Windenergieanlagen und jeglicher Ansammlung von mehr als fünf Wohnhäusern festschreibt.

Der Gesetzesentwurf ist noch nicht veröffentlicht. Die Berichterstattung von so verschiedenen Quellen wie Spiegel, Welt oder auch der Elbe Jeetzel Zeitung deckt sich jedoch. Es steht zu befürchten, dass das angebliche Kohleausstiegsgesetz tatsächlich den Ausstieg aus der Windenergie bewirken wird. Beim BMWI gibt es bisher kaum Offizielles zum Kohleausstiegsgesetz. Nur eine Antwort auf eine kleine Anfrage von Annalena Baerbock und das Dokument Rahmen und nächste Schritte für die Kohleausstiegsgesetzgebung.

Print Friendly, PDF & Email
Schlagwörter