Henri Nannen

Henri Nannen brachte vor genau 36 Jahren im Stern das allererste Titelbild, das ich als Kind bewusst wahrnam. 

Die neuen Krallen der CIADie von Erich Follath geschriebene Titelgeschichte begriff ich damals natürlich nicht wirklich. Ich glaubte naiv, dass es seine Richtigkeit haben würde einen Geheimdienst von seinen Fesseln zu befreien, damit er wirksamer arbeiten kann. Mit den Grundsätzen eines Rechtsstaates war ich da natürlich noch nicht vertraut. Nach diesem starken Start hätte ich ein treuer Leser des Stern werden können. Doch dann kamen die gefälschten Hitler-Tagebücher. Der erste Medienskandal, den ich als Kind bewusst wahrnam.

In Hitlers Eliten nach 1945 von Norbert Frei entdeckte ich auf Seite 11 gerade folgendes Bekenntnis Nannens zu seiner persönlichen Schuld im dritten Reich:

Ich jedenfalls, ich habe gewußt, daß im Namen Deutschlands wehrlose Menschen vernichtet wurden, wie man Ungeziefer vernichtet. Und ohne Scham habe ich die Uniform eines Offiziers der deutschen Luftwaffe getragen. Ja, ich wußte es und war zu feige, mich dagegen aufzulehnen.
(besser zugängliche Quelle: Beitrag in der Zeit von Emanuel Eckardt zum 100. Geburtstag Nannens)

Ich nehme mir Nannens starke Worte zum Vorbild, wenn ich bekenne:

„Ich habe gewußt, daß der Einsatz von Atomwaffen durch deutsche Soldaten geplant und vorbereitet wurde. Ich hatte persönlich Anteil an diesen Vorbereitungen. Ich ahnte es und hätte wissen können und sollen, dass damit der Bruch des Atomwaffensperrvertrags in Kauf genommen wurde. Und ohne Scham habe ich die Uniform eines Soldaten des deutschen Heeres getragen. Ja, ich wußte es, und ich war zu feige, mich dagegen aufzulehnen.“
(Mehr zu meinem Empörungsmotiv Atomraketenwerfer)

(Zum Vergrößern bitte jeweils auf die Bilder klicken)

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